Neue Horizonte

Umbau Einfamilienhaus Muttenz

Moderner Küchenanbau mit bodenlangen Fenstern bei Nacht, davor ein beleuchtetes Wasserbecken, das Lichtreflektionen an die Decke der Küche dahinter wirft.

Das Wasserbecken vor dem neuen Anbau lässt nachts die Lichtreflexionen an der Decke der geräumigen Küche tanzen.

Als dieses Einfamilienhaus 1932 erbaut wurde, stand es noch ganz alleine mitten in einem Rebberg und hatte sogar einen kleinen Schafstall. 90 Jahre später ist der Hang beinahe kom­plett überbaut, die Schafe grasen inzwischen woanders. Doch die wertvollsten Qualitäten konnte die sich wandelnde Umgebung dem Gebäude nicht rauben: seine zeitlose Archi­tektur sowie den wundervollen Ausblick in die Vogesen. «Das Haus ist eine klassische Schönheit – und dies wollten wir auch so be­ lassen», erzählt Architekt Urs Steinmann. Äusserlich haben die Architekten demnach das Aussehen des Bestands durch eine zar­tere Farbgebung und ein elegantes Schmiede­eisen-Balkongeländer lediglich verfeinert. Da sich die Bauherrschaft jedoch eine geräumi­gere Küche sowie eine offenere Raumstruk­tur mit mehr Bezug zum Garten wünschte, kam es beim Grundriss zu grösseren Eingrif­fen. Um mehr Raum zu schaffen, entschloss man sich für einen Anbau. Dieser wurde be­wusst als moderner Kubus gestaltet, der sich vom Bestand abhebt, damit die «klassische Schönheit» ihre Integrität bewahrt.

Für den neuen Sitzplatz wur­den ein Dietfurter Kalkstein sowie ein Holzrost gewählt.

Bei den Bauarbeiten wurde darauf geachtet, dass die alten Bäume und Sträucher im bestehenden Garten nicht beschädigt wurden.

Das Äussere des Bestandes wurde beim Umbau mit einer neuen Farbgebung und einem eleganten Schmiedeeisen-Geländer lediglich verfeinert.

Perspektivenwechsel
Bereits in den 1980er­Jahren wurde ein ge­deckter Sitzplatz auf der Südseite des Hau­ses erstellt. Da dieser jedoch weit hinten am Hang lag, war die Aussicht Richtung Sonnenuntergang über der Stadt Basel durch die Hausecke versperrt. So entschieden sich die Architekten genau hier, möglichst am Hang anliegend, den neuen Küchenanbau zu platzieren. Seine Dimensionen waren hang- und gartenseitig von den Grenzabständen definiert, auf der Vorderseite von einem Fenster, das bestehen bleiben sollte. Doch in der Vertikale gab es etwas Spielraum: «Der Anbau ist mit drei Stufen höher gesetzt als das Erdgeschoss des Hauses. Dies ergab sich durch das natürliche Hanggefälle und hat zu einer schönen Einpassung ins bestehende Terrain geführt», sagt Architekt Urs Steinmann. Bei der Raumhöhe wurde das Maximum bis an die Fenster des Obergeschosses ausgereizt.

Edler Küchenanbau mit Holzparkett, Marmorkochinsel und edlen Designerleuchten darüber, dahinter Blick in den Garten durch Sky-Frame Schiebefenster.

Unendliche Weite – dieses Gefühl verleihen die schwellenlosen Schiebefenster «Classic» von Sky-Frame dank ihrer feinen Profilierung und den schlanken Eckelementen.

Vom neuen Sitzplatz eröffnet sich nun die Sichtachse Richtung Basel im Westen. Und dieser Blick setzt sich im Innern des Anbaus nahtlos fort, denn die Fenster von Sky-Frame mit ihrer feinen Profilierung lassen die Sicht völlig ungestört. So entsteht die Illusion eines reinen Glaskubus. «Als wir im Wohnzimmer standen und nach draussen schauten», erzählt Steinmann, «verwarfen wir unseren Plan eines abgestützten Vordachs sogleich wieder. Die Pfosten hätten den Blick ins Freie gestört. Deshalb entschieden wir uns, das Vordach etwas kürzer und auskragend zu gestalten.» Mit ihrer atemberaubenden Aussicht hat sich die Küche schnell zum Herzstück des Hauses gemausert. Hier empfängt man Gäste oder geniesst bei einem stillen Kaffee die Himmelsstimmungen. Auch in der Nacht sollte der Bezug zum Aussenraum nicht fehlen. Deshalb wurden im Garten strategisch einzelne Leuchten gesetzt, die die alten Bäume auf dem Grundstück dezent anstrahlen und so bei einer Abendbrise die Blätter vor dem Fenster tanzen lassen. Ausserdem sorgt ein beleuchtetes Wasserbecken vor dem Küchenfenster in der Dämmerung für ein faszinierendes Lichtspiel an der Decke des Anbaus.

Dank der Offenlegung der Balken konnten im Erdgeschoss bei der Raumhöhe nochmals einige Zentimeter dazugewonnen werden.

Die Wanddurchbrüche im Erdgeschoss schufen einen einzigen offenen Wohnraum. Die Sitznische war ehemals ein kleines Büro und wurde ebenfalls dem Hauptraum angeschlossen.

Die Designleuchten stammen vom italienischen Leuchtenproduzenten Il Pezzo Mancante und wurden von der Bauherrschaft in Mailand selbst ausgesucht.

Überall im Haus sowie im Garten kamen edle, klassische Materialien zum Einsatz, wie Holz, Marmor oder grossformatige Feinsteinzeugplatten.

Offen und edel
Von der kleinen Küche über den dunklen Gang bis zum winzigen, in den 1980er-Jahren angebauten Büro – das Erdgeschoss war
kleinteilig und eng. Hier wurde ein einziger offener Wohnraum geschaffen, die tragende Wand durch Stützen ersetzt. Dank des Entfernens der alten Decken und des Offenlegens der Balken konnten sogar in der Höhe 20 Zentimeter dazugewonnen werden, was dem Raum noch mehr Grosszügigkeit verleiht. Die designaffine Bauherrschaft entschied sich durchgehend für klassische Materialien, die eine Kontinuität zwischen Alt und Neu schaffen. So zieht sich zum Beispiel ein Massivholz-Eichenparkett vom Bestand durchgehend in den Anbau. Eine antike Flügeltür – ein Fund der Bauherrin, die von den Architekten feinsäuberlich eingepasst wurde – führt vom Wohnraum in die Küche mit edlen Marmorelementen. Ein Besenstrichverputz mit Keimfarben sorgt für Dimension und feine Farbnuancen, während die eigens von der Bauherrschaft ausgewählten italienischen Designleuchten von den Architekten in Präzisionsarbeit gesetzt wurden. «Wir haben durchgehend auf eine gute Abstimmung von glänzenden und matten Oberflächen geachtet», so Steinmann. Entstanden ist ein stilvolles Ganzes, das zeitlos wirkt und zugleich den modernen Wohnansprüchen der Bauherrschaft gerecht wird.

Architektur: www.steinmannberger.ch

Titelbild Umbauen+Renovieren Ausgabe 3/22 mit dem Titel Zeitreisen

Diesen und weitere spannende Umbau-Reports finden Sie in der aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Umbauen+Renovieren.