Alles ist Kontext

Porträt Architekturbüro Nopai

Lisa Mäder in schwarzem Pullover und Hubert Holewik in beigem Hemd stehen vor einer Hausmauer und schauen nach links

Lisa Mäder und Hubert Holewik sind Nopai.

In einem ruhigen Innenhof im Zürcher Kreis 3 findet man das Architekturbüro Nopai. «Die Büroräumlichkeiten gehörten einst meinen Eltern. Nun teilen wir sie», erzählt Lisa Mäder, die zusammen mit Hubert Holewik Nopai gegründet hat.

Schon in zweiter Generation ein Arbeitsort für Architekt:innen, entdeckt man hier in jedem Winkel ein Modell, ein Materialexperiment, Bücher, Kunstwerke – es ist ein riesiger Fundus an Inspiration, wo alte Ideen wieder aufgegriffen werden und neue Form erhalten können. «Tatsächlich kommen unsere Kollegen gerade deshalb gerne bei uns vorbei», so Mäder.

Japan als Inspiration

Ihre Eltern, selbst Architekt:innen, waren häufig auf Reisen und besichtigten Bauten in diversen Ländern und Kulturen, was sie selbst zum Architekturstudium motivierte. Doch nicht nur der Blick in die Fremde, sondern auch der Blick aus der Ferne zurück in die Heimat inspiriert, wie Holewik von seiner Zeit in Japan berichtet: «Japan nimmt europäische Projekte mit ganz anderen Augen wahr, ein Perspektivenwechsel, der für uns den Fächer öffnet.»

Er wuchs als Sohn von zwei Opernsänger:innen auf, was ihn mit vielen Gebäuden, Geschichten und Eindrücken in Berührung brachte, die sein Schaffen zwar nicht direkt prägen, aber dennoch als Reservoir an Referenzen dienen.

Umbau «Chesa Fonio»: Um die Dachwohnung geräumiger wirken zu lassen, haben Nopai die Küche geöffnet. Dank dem vorderen Küchenmöbel und der Stufe, die durch den neuen Lehmboden enstand, ist sie dennoch als klar separierter Bereich erkennbar.

Verwendet wurden möglichst natürliche Materialien, wie etwa der rötliche Stampflehm­boden, der Gerüche absorbiert und das Klima reguliert.

Im Rest der Wohnung wurde ein massiver Lärchenboden verlegt.

Aus altem Büromaterial

Immer wieder suchen Mäder und Holewik den Austausch – mit anderen Menschen, Kulturen, Epochen, Disziplinen. Inspirationsquelle kann ein Stoff, ein uralter Bau, ein Muster sein. Mit Collagen und Skizzen bringen sie ihre Ideen schnell zu Papier, in Modellen wird experimentiert, im gegenseitigen Austausch wird alles immer wieder hinterfragt.

So sehe ich zum Beispiel im Büro gerade ein Modell, bei dem Mäder und Holewik mit verschiedenen Fassadenmustern für den Neubau dreier Mehrfamilienhäuser in Pontresina spielen.

Das Material für die Küche des Wohnungsumbaus «Chesa Fonio» in Sils stammt aus dem Bürofundus. Gemeinsam mit dem Schreiner unternahmen sie etwa zehn Versuche, bis sie die Maserung des gebeizten MDF genauso wie die Vorlage hinbekamen. Jedes Projekt ist für das Duo ein eigener Mikrokosmos, bei dem es Dinge zu verstehen, aufzudecken und sichtbar zu machen gilt.

Dies erleben sie gerade bei der Sanierung eines Mehrfamilienhauses aus den 1980er-Jahren –  den Bestand zu analysieren und die interessanten Themen herauszuschälen erfordert viel Geduld. Schlussendlich entsteht für das Duo nichts aus dem Nichts: «Für uns ist Umbauen und Neubauen nicht ein Entweder-oder. Alles ist Weiterbauen, auch eine grüne Wiese hat eine Geschichte.»

Umbau Reihenhaus, Zürich: Gemeinsam mit Winkler Architekt haben Nopai dieses Reihenhaus für die Bedürfnisse einer jungen Familie angepasst.

Mit einer neuen Küche und Einbauschränken auf beiden Geschossen enstand mehr Raum.

Als Kontrast zum matten Lehmputz wählten sie für die Einbaumöbel MDF mit einem metallischen Anstrich.

Räume sollen eine positiven Einfluss haben

Auch der Name des Büros ist eine Art Sammelsurium, nicht mehr als ein spielerisches Aneinanderreihen von Silben, denn im Zen­trum soll ihre Arbeit stehen. «Das Schöne an der Architektur ist, dass man mit jedem Eingriff etwas bewirken kann. Wir wollen Räume schaffen, die einen positiven Einfluss haben.

Diese Wirkung kann jede:r spüren, auch Leute, die nicht auf Architektur sensibilisiert sind.» Architektur ist für das Duo nämlich nicht nur Mittel zum Zweck, sondern vielmehr eine Art, die Welt zu erfassen: «Es ist eine Form des Wissens, des Erfahrens, des Erlebens.»

Im spezifischen Kontext nehmen ihre Räume Gestalt an und präsentieren so immer wieder neue Antworten auf die grossen Fragen wie Nachhaltigkeit und Mitwirkung der Nutzer an Architekturprojekten, die im Moment so viele beschäftigen.

www.nopai.ch

Lehmmodell eines Mehrfamilienhauses mit Aufstockung

Ein Modell veranschaulicht die geplante Aufstockung eines Mehrfamilienhauses aus den 1980er-Jahren mit grosszügigen Maisonettewohnungen.